Mein Buch Eferandi handelt von inneren Welten, von der Komplexität der Gefühle und von Erfahrungen, die Spuren hinterlassen. Es handelt von Momenten, die mich verändert haben, von Begegnungen, die mich geprägt haben, und von den Dingen, die ich tief in mir trage, ohne immer zu wissen, wohin damit.
Es handelt vom Alleingelassenwerden, vom Entwurzeltsein und von der Suche nach einem Ort, an dem ich mich wirklich zugehörig fühle.
Es handelt von der Schwierigkeit, sich selbst zu verstehen, während die Welt um einen herum scheinbar mühelos weitergeht.
Eigentlich fühlte ich mich immer gut. Mehr als gut. Ich ging durchs Leben mit dem Gefühl, dass mich nichts wirklich aus der Bahn werfen könnte. Ich glaubte, dass ich stark genug sei, dass ich mich von niemandem herunterziehen lassen würde. Dass ich meinen eigenen Weg gehen könnte, unabhängig davon, was um mich herum geschah.
Vielleicht war es diese Überzeugung, die mich lange gestützt hat. Vielleicht war es aber auch eine Art Schutz.
Es gibt Erfahrungen, die verändern nicht sofort unser Leben, sondern zunächst die Art, wie wir uns selbst darin bewegen. Sie verschieben etwas in uns. Unmerklich vielleicht, aber nachhaltig. Und irgendwann stehen wir an einem Punkt, an dem wir beginnen, Fragen zu stellen, die wir lange vermieden haben.
Wer bin ich, wenn ich nicht mehr an alten Vorstellungen von mir selbst festhalte? Was bleibt von mir, wenn ich aufhöre, bestimmte Muster zu wiederholen? Und was geschieht, wenn ich den Mut finde, mich den Teilen meiner Geschichte zuzuwenden, die ich bisher vielleicht lieber beiseitegeschoben habe?
Warum wird es für mich gerade jetzt Zeit, dieses Buch zu schreiben?
Ich befinde mich an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich beginne, alte Muster abzulegen. An einem Punkt, an dem ich nicht mehr alles einfach hinnehmen möchte, nur weil es vertraut ist. Ich spüre, dass es Zeit wird, genauer hinzusehen – auf das, was war, auf das, was mich geprägt hat, und auf das, was ich heute daraus mache.
Vielleicht bedeutet Erwachsenwerden auch, sich selbst auf eine neue Weise zu begegnen. Nicht mehr nur mit dem Blick auf das, was man geschafft oder überwunden hat, sondern auch mit einem Verständnis für das, was schwierig war. Für die eigenen Widersprüche, für die Verletzlichkeit und für jene Gefühle, die sich nicht immer in klare Worte fassen lassen.
Ich möchte mit Eferandi einen Raum schaffen, in dem all das seinen Platz haben darf. Die Stärke und die Zweifel. Die Leichtigkeit und die Schwere. Das Gefühl, alles im Griff zu haben, und die Momente, in denen man sich selbst fremd wird.
Denn vielleicht können wir uns erst dann wirklich weiterentwickeln, wenn wir aufhören, uns selbst nur aus einer einzigen Perspektive zu betrachten. Wenn wir bereit sind, auch die Seiten anzunehmen, die nicht in unser bisheriges Selbstbild passen.
Eferandi ist für mich deshalb mehr als ein Buch. Es ist eine Auseinandersetzung mit mir selbst, mit meinen Erfahrungen und mit den inneren Welten, die mich ausmachen. Es ist der Versuch, Zusammenhänge zu erkennen, ohne alles erklären zu müssen. Und vielleicht auch der Versuch, aus etwas, das mich geprägt hat, etwas Eigenes entstehen zu lassen.
Ich schreibe dieses Buch nicht, weil ich auf alles eine Antwort gefunden habe. Ich schreibe es, weil ich bereit bin, die Fragen zuzulassen.
Weil ich nicht länger nur zurückblicken, sondern verstehen möchte.
Und weil ich glaube, dass in dem Moment, in dem wir beginnen, unsere eigene Geschichte bewusst anzusehen, etwas Neues entstehen kann.
Vielleicht ist Eferandi genau das: der Beginn einer Begegnung mit mir selbst, die längst überfällig war.